Wir scrollen. Wir klicken. Wir liken. Und morgen haben wir das meiste schon wieder vergessen.
Die Marketingwelt produziert täglich unzählige digitale Botschaften. Immer schneller, immer mehr, immer austauschbarer. Wir messen Reichweiten, zählen Impressionen und feiern Klickzahlen.
Aber Hand aufs Herz: Was davon bleibt wirklich hängen?
Wann hast du zum letzten Mal eine Werbeanzeige wirklich gespürt? Eben. Dabei haben wir Menschen weit mehr zu bieten als zwei Augen und einen Daumen zum Scrollen.
Wir können fühlen, riechen, hören, schmecken und erleben. Und genau darin steckt ein enormes Potenzial für die Markenkommunikation.
Denn Reichweite ist noch lange keine Wirkung.
Dass die SENS7 ausgerechnet in einer ehemaligen Papierfabrik stattfindet, ist deshalb mehr als eine schöne Geschichte. Es passt zu unserer Überzeugung, dass Marken nicht nur sichtbar, sondern erlebbar sein müssen.

Wo früher Papier veredelt wurde, wird heute Marketing erlebbar
Mitten in Zürich, auf dem heutigen Sihlcity-Areal, begann 1836 die Geschichte der mechanischen Papierfabrik an der Sihl. Hier wurde über viele Jahrzehnte Papier hergestellt, verarbeitet und veredelt.
Papier war schon damals weit mehr als eine weisse Fläche. Unterschiedliche Oberflächen, Strukturen und Materialien bestimmten seine Eigenschaften. Es entstanden hochwertige Spezialpapiere, darunter auch solche für Banknoten, Pässe und technische Anwendungen.
Ein spannendes Detail steckt sogar im Namen des Platzes: Kalanderplatz. Ein Kalander führt Papier zwischen Walzen hindurch. Durch Druck und Temperatur verändert sich seine Oberfläche. Es wird glatter und glänzender.
Was sich technisch anhört, hat viel mit einem unserer wichtigsten Sinne zu tun: dem Tastsinn. Denn wie sich etwas anfühlt, beeinflusst auch, wie wir es wahrnehmen.

Digital ist gut. Aber digital allein?
Keine Frage: Digitale Kommunikation ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie ist schnell, effizient und ermöglicht Reichweiten, von denen frühere Generationen nur träumen konnten.
Aber Reichweite allein schafft noch keine Beziehung. Eine Million Impressionen bedeuten nicht automatisch eine Million bleibende Eindrücke. Und ein Klick ist noch lange kein Erlebnis.
Nicht nur: Wie viele Menschen haben unsere Botschaft gesehen? Sondern: Was hat sie bei ihnen ausgelöst?
Denn am Ende kommunizieren wir nicht mit Algorithmen. Sondern mit Menschen. Und Menschen haben Sinne. Mehrere sogar. ;-)
Warum unser Gehirn gerne mit den Händen denkt
Dass Berührung unsere Wahrnehmung beeinflussen kann, ist keine romantische Vorstellung von Haptik-Enthusiasten. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen dazu.
Joann Peck und Suzanne Shu untersuchten 2009, wie das Berühren eines Gegenstands das empfundene Besitzgefühl verändert. Wer ein Produkt anfassen durfte, fühlte sich unter bestimmten Bedingungen eher als Besitzer. Bei angenehm empfundenen Gegenständen fiel teilweise auch die Zahlungsbereitschaft höher aus.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir alles kaufen möchten, was wir anfassen. Aber es zeigt, wie eng unsere Sinne mit der Wahrnehmung verbunden sein können.
Wir sollten nicht nur darüber nachdenken, wie eine Marke aussieht. Sondern auch darüber, wie sie sich anfühlt.

Eine Marke hat mehr als ein Logo
Ein vertrauter Duft kann Erinnerungen wecken. Musik verändert die Atmosphäre eines Raums. Materialien prägen Eindrücke von Qualität. Und manchmal entscheidet erst das Zusammenspiel verschiedener Sinneseindrücke darüber, wie wir eine Marke erleben.
Das ist die Faszination des multisensorischen Marketings. Es geht nicht darum, möglichst viele Sinne auf einmal zu überfordern. Sondern sie bewusst und sinnvoll einzusetzen.
Eine Marke sollte nicht nur gut aussehen. Sie sollte sich auch richtig anfühlen.
Keine Lust auf die nächste klassische Messe?
Genau aus dieser Überzeugung ist die SENS7 entstanden. Wir wollten keine weitere Veranstaltung, auf der möglichst viele Produkte nebeneinander auf Tischen liegen. Keine endlosen Kataloge. Und auch kein klassisches Abhaken von Messeständen.
Sondern einen Ort schaffen, an dem Marketingverantwortliche, Kreative und innovative Anbieter gemeinsam entdecken, was multisensorische Kommunikation bewirken kann.
Ein Festival statt einer klassischen Messe. Mit ausgewählten Ausstellern, Workshops, Fachimpulsen und vor allem Erlebnissen. Hier darf ausprobiert, angefasst, hinterfragt und diskutiert werden. Und manchmal auch einfach gestaunt.

Zurück in die alte Papierfabrik
Damit schliesst sich der Kreis. Wo früher Papier geglättet, geschnitten und veredelt wurde, beschäftigen wir uns heute damit, wie Marken durch unsere Sinne Wirkung entfalten können.
Der Papiersaal ist für uns deshalb weit mehr als eine Eventlocation. Er ist ein Ort mit Geschichte, Charakter und einer besonderen Atmosphäre. Und eine passende Bühne für ein Festival, das die menschliche Wahrnehmung in den Mittelpunkt stellt.
Denn bei aller Digitalisierung gilt: Wir Menschen sind keine Klickmaschinen. Wir wollen entdecken, fühlen und erleben.
Weniger Blabla. Mehr Aha.
Vielleicht sollten wir etwas weniger über die nächste Million Impressionen diskutieren. Und mehr darüber, wie wir Menschen wirklich erreichen. Mit Ideen, die überraschen. Mit Materialien, die begeistern. Mit Begegnungen, die inspirieren. Und mit Markenerlebnissen, die bleiben.
Weg vom Geschenk. Hin zur Wirkung.
Titelbild und Fotos der SENS7 2026: SENS7.
Quellen